Am 18. Juni hat der Malscher Gemeinderat den Entwurf für den Bebauungsplan „Ehemalige Tankstelle Sézanner Straße“ beschlossen. Auf dem Gelände der früheren ARAL-Tankstelle sollen zwei neue Mehrfamilienhäuser entstehen. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass neuer Wohnraum im Ort geschaffen wird. Doch sowohl der Ablauf als auch die Inhalte des Plans werfen Fragen auf.
Zu wenig öffentliche Aussprache im Gemeinderat
Die Entscheidung über den Bebauungsplan fiel im Gemeinderat fast ohne offene Diskussion. Die meisten Fraktionen verwiesen auf Beratungen, die bereits in nichtöffentlichen Sitzungen stattgefunden hatten. So blieb unklar, welche Überlegungen oder auch kritischen Meinungen in die Entscheidung eingeflossen sind. Für viele ist der Entscheidungsprozess dadurch nicht nachvollziehbar.
Gerade bei einem Vorhaben, das das Ortsbild, den Verkehr und das Klima im Wohngebiet langfristig beeinflusst, wäre eine offene Aussprache im öffentlichen Teil der Sitzung wichtig gewesen. Politische Entscheidungen müssen für alle verständlich und nachvollziehbar sein – besonders wenn es um die Gestaltung des eigenen Wohnumfelds geht.
Klimaschutz bleibt auf der Strecke
Auch bei den Inhalten gibt es berechtigte Kritik. Zwar enthält der Plan einige umweltfreundliche Ansätze – wie begrünte Dächer oder Stellplätze aus wasserdurchlässigem Material – doch wichtige Maßnahmen zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels fehlen:
- Die geplanten Dachbegrünungen sind zwar grundsätzlich positiv, reichen aber nicht aus, um wirksam zur Abkühlung beizutragen, vor Starkregen zu schützen oder Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu bieten.
- Die erlaubte Bebauung ist mit einer sogenannten Grundflächenzahl von 0,95 sehr hoch – fast das gesamte Grundstück darf also überbaut oder versiegelt werden. Für die wenigen unbebauten Flächen fehlen verbindliche Vorgaben zu Bäumen, Grünflächen oder dem Umgang mit Regenwasser.
- Entlang der Sézanner Straße sind keine neuen Bäume geplant – zugunsten von Parkplätzen. Das verschlechtert das Ortsklima und das Straßenbild.
- Ein durchdachtes Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung – etwa mit Rückhaltebecken, Versickerungsmulden oder Zisternen – ist im Plan nicht vorgesehen.
- Eine Umweltprüfung wurde mit Verweis auf das schnellere Verfahren (§ 13a Baugesetzbuch) weggelassen – obwohl die Lage im Wasserschutzgebiet und der frühere Tankstellenbetrieb eigentlich eine genauere Prüfung nahelegen würden.
Gerade in Zeiten von Hitze, Starkregen und knappen Flächen sollte nicht nur das Baurecht stimmen – sondern auch der Schutz von Klima, Umwelt und Gesundheit ernst genommen werden.
Zur besseren Vorstellung der späteren Gebäudehöhe könnte – wie in der Schweiz üblich – ein einfaches Baugerüst oder ein Holzrahmen aufgestellt werden, um die geplanten Baumassen sichtbar zu machen.
Beteiligung ist noch möglich – bis zum 5. September
Noch bis einschließlich 5. September 2025 liegt der Bebauungsplan öffentlich aus. Bürgerinnen und Bürger können in dieser Zeit Einwände oder Anregungen einreichen. Die Unterlagen sind im Rathaus sowie auf der Internetseite der Gemeinde einsehbar.
Es gibt also noch Gelegenheit, sich zu Themen wie Klimaschutz, Verkehr, Wohnungsdichte, Gestaltung oder Besucherparkplätze einzubringen. Jede Rückmeldung wird im weiteren Verfahren berücksichtigt und kann die Planung beeinflussen.
Fazit
Bebauungspläne sind nicht nur rechtliche Vorgaben – sie prägen das zukünftige Bild unserer Gemeinde. Deshalb braucht es neben guten Ideen auch eine offene Diskussion und Bürgerinnen und Bürger, die sich frühzeitig einmischen.
B‘90/Die Grünen – Ortsverband Malsch
kontakt@gruene-ovmalsch.de
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