Energiewende in Waldbronn? Aus unserer Sicht leider eine verpasste Chance. In der Juni-Gemeinderatssitzung stand der Ersatz eines defekten Gasheizkessels an der Albert-Schweitzer-Schule auf der Tagesordnung. Der Vorschlag der Verwaltung sah vor, den alten Gaskessel durch einen neuen Gaskessel zu ersetzen.
Im Vorfeld haben wir die Verwaltung sowie alle Gemeinderät/innen über aus unserer Sicht sinnvollere Alternativen informiert. Der erneute Einbau eines Gaskessels ist nach unserer Auffassung nicht mehr zeitgemäß. Er bindet die Gemeinde langfristig an fossile Energieträger und kann zu höheren Betriebskosten in der Zukunft führen.
Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) kommt der öffentlichen Hand bei der Umstellung auf erneuerbare Energien eine besondere Vorbildfunktion zu. Für Kommunen wie Waldbronn ist der Einbau eines neuen Gaskessels zwar unter bestimmten Voraussetzungen noch bis zum 30. Juni 2028 zulässig. Voraussetzung ist unter anderem eine vorherige Beratung durch eine fachkundige Person. Der entsprechende Beratungsbericht lag uns bis zur Gemeinderatssitzung nicht vor.
Zusätzlich ist in Baden-Württemberg das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) zu beachten. Dieses verlangt, dass ein Teil des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt oder der Wärmebedarf entsprechend reduziert wird. Übergangsweise kann dies bei Nichtwohngebäuden auch durch einen Sanierungsfahrplan ersetzt werden. Für die Albert-Schweitzer-Schule liegt zwar ein Sanierungsfahrplan aus dem Jahr 2017 vor, dieser ist jedoch inzwischen inhaltlich überholt. Er empfahl damals den Ersatz des Heizkessels durch ein Blockheizkraftwerk. Heute würde ein aktueller Sanierungsfahrplan voraussichtlich eher eine Wärmepumpe oder – sofern möglich – einen Anschluss an ein Wärmenetz empfehlen.
Nach dem Energiebericht der Gemeinde lag die durchschnittliche Heizleistung der Albert-Schweitzer-Schule in einem typischen Januar bei rund 155 kW. Die vorhandene Heizungsanlage mit zwei Heizkesseln à 300 kW erscheint deshalb aus unserer Sicht überdimensioniert. Wir haben daher vorgeschlagen, wenn schon keine Wärmepumpe umgesetzt wird, zumindest einen deutlich kleineren Heizkessel einzubauen.
Die Verwaltung begründete ihre Entscheidung damit, dass für eine Wärmepumpe derzeit der notwendige Platz fehle und ein kleinerer Heizkessel die gewünschte Redundanz nicht gewährleisten könne. Außerdem müsse die Maßnahme noch vor dem Winter umgesetzt werden. Aus unserer Sicht wäre es jedoch sinnvoll gewesen, verschiedene Alternativen früher und intensiver zu prüfen. Das Angebot für den Heizkesseltausch stammt aus dem März. Nach unserer Einschätzung hätte damit ausreichend Zeit bestanden, unterschiedliche technische Lösungen sorgfältig zu bewerten. Auch die Möglichkeit einer Aufstellung einer Wärmepumpe außerhalb des Heizraums, beispielsweise in einem Container, hätte geprüft werden können.
Mit dem Einbau einer Wärmepumpe hätte die Gemeinde zudem von einer Bundesförderung in Höhe von bis zu 35 Prozent profitieren können. Deshalb sehen wir in der Entscheidung eine verpasste Chance für die Energiewende in Waldbronn und für eine langfristig wirtschaftliche Wärmeversorgung der Albert-Schweitzer-Schule.
Aus diesen Gründen wurde der Einbau des neuen Gaskessels auch nicht – wie im letzten Amtsblatt der Gemeinde dargestellt – einstimmig beschlossen. Die grüne Fraktion hat mehrheitlich gegen den Beschluss gestimmt. Leider konnten wir die Gemeinderät/innen der anderen Fraktionen mit unseren Argumenten nicht überzeugen.
Außerdem möchten wir klarstellen, dass die beschlossene Sanierung der Raumlufttechnischen Anlage nicht die Albert-Schweitzer-Schule betrifft. Die Raumlufttechnische Anlage befindet sich im Vereinsheim an der Albert-Schweitzer-Schule und fällt damit in den Bereich der Vereinsförderung. Sie dient daher nicht der Verbesserung der Luftqualität in den Unterrichtsräumen der Albert-Schweitzer-Schule.
Wir werden deshalb beantragen, dass zusammen mit dem Energiebericht 2025 auch die technischen Daten der Heizungsanlagen aller kommunalen Liegenschaften veröffentlicht werden. Zudem sollten für ältere Heizungsanlagen frühzeitig Ersatzoptionen geplant werden. So können künftig nachhaltige, energieeffiziente und wirtschaftliche Lösungen rechtzeitig vorbereitet und umgesetzt werden.
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